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Feuerlöscher für die Zellen

von Thomas Wendtland
Tomatenmark wird aus einem roten Feuerlöscher auf einen Teelöffel gefüllt, daneben eine Flasche Olivenöl

Ein Teelöffel Tomatenmark, etwas Olivenöl und die große Frage, was Lycopin für unsere Gesundheit tatsächlich leisten kann.

Wer beim Stichwort Zellschutz an teure Nahrungsergänzungsmittel denkt, übersieht womöglich ein unscheinbares Produkt aus dem Supermarktregal. Dreifach konzentriertes Tomatenmark kostet wenig, lässt sich unkompliziert dosieren und enthält Lycopin. Der rote Pflanzenfarbstoff wird seit Jahren wegen seiner antioxidativen Eigenschaften erforscht. Doch wie viel Gesundheit steckt tatsächlich in einem Teelöffel?

Ein konzentriertes Stück Tomate

Dreifach konzentriert bedeutet, dass Tomaten bei der Verarbeitung ein großer Teil ihres Wassers entzogen wird. Dadurch steigt die Konzentration der festen Bestandteile und damit auch des Lycopins. Das Carotinoid verleiht Tomaten ihre rote Farbe. Im Labor kann es bestimmte reaktive Sauerstoffverbindungen abfangen.

Oxidativer Stress entsteht, wenn reaktive Moleküle und körpereigene Schutzmechanismen aus dem Gleichgewicht geraten. Solche Vorgänge können Zellen belasten. Daraus folgt allerdings nicht, dass ein Lebensmittel freie Radikale im Körper wie ein Feuerlöscher einfach abschaltet. Der Stoffwechsel ist komplexer als die Werbesprache mancher Nahrungsergänzungsmittel.

Warum Olivenöl dazugehört

Lycopin ist fettlöslich. Der Körper kann es daher zusammen mit etwas Nahrungsfett besser aufnehmen. Eine kleine Menge Olivenöl zum Tomatenmark ist deshalb eine naheliegende Kombination. Auch die Verarbeitung der Tomaten verbessert die Verfügbarkeit des Pflanzenstoffs gegenüber manchen rohen Tomatenprodukten.

Eine Einnahme unmittelbar vor dem Abendessen ist möglich, aber nicht notwendig. Entscheidend ist vor allem, dass Tomatenmark Teil einer Mahlzeit mit etwas Fett ist. Eine besondere Wirkung der abendlichen Uhrzeit wurde nicht belegt.

Ein Teelöffel ist kein Studienprogramm

Fünf bis sieben Gramm Tomatenmark passen ungefähr auf einen Teelöffel. Je nach Herstellung können darin etwa 1,5 bis 3 Milligramm Lycopin stecken. Das ist ein Beitrag zur täglichen Aufnahme, aber keine medizinisch festgelegte Dosierung.

In manchen Studien wurden deutlich größere Portionen eingesetzt. Bei einer Untersuchung zum Einfluss auf UV-bedingte Hautrötungen erhielten Teilnehmer beispielsweise 40 Gramm Tomatenmark mit Olivenöl täglich über mehrere Wochen. Wer daraus die Wirkung eines einzelnen Teelöffels ableitet, überspringt einen entscheidenden Teil der wissenschaftlichen Beweisführung.

Was die Forschung verspricht und was nicht

Untersuchungen beschäftigen sich unter anderem mit Blutgefäßen, Blutdruck, oxidativem Stress und Hautreaktionen auf UV-Strahlung. Einige Ergebnisse sind ermutigend, andere uneinheitlich. Gut nachvollziehbar ist der Anstieg der Lycopinkonzentration im Blut nach regelmäßigem Verzehr lycopinreicher Produkte. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ein geringeres Erkrankungsrisiko ableiten.

Auch mögliche Zusammenhänge mit Lebergesundheit und Krebsprävention werden erforscht. Eine vorbeugende oder therapeutische Wirkung eines täglichen Teelöffels Tomatenmark ist dafür bislang nicht ausreichend nachgewiesen.

Ein paar Cent statt großer Versprechen

Der wirtschaftliche Vorteil ist offensichtlich. Tomatenmark ist in fast jedem Lebensmittelgeschäft erhältlich und kostet pro kleiner Portion nur wenige Cent. Auf der Zutatenliste genügt konzentrierte Tomate; zugesetzter Zucker ist nicht nötig.

Es braucht keine kostspielige Kapsel, um Lycopin über die Ernährung aufzunehmen. Das macht Tomatenmark allerdings nicht zur Medizin. Wer es regelmäßig isst, ergänzt seinen Speiseplan um einen interessanten Pflanzenstoff – nicht um eine garantierte Schutzwirkung gegen Krankheiten.

Vielleicht ist das die eigentliche Nachricht. Ein alltägliches Lebensmittel kann ernährungsphysiologisch sinnvoll sein, ohne dass man ihm Wunderkräfte andichten muss. Der Feuerlöscher im Titel ist ein Bild. Die wissenschaftliche Aussage bleibt deutlich nüchterner.

Quellen und wissenschaftliche Einordnung

  • Gärtner, C., Stahl, W. und Sies, H. (1997). Lycopene is more bioavailable from tomato paste than from fresh tomatoes. American Journal of Clinical Nutrition, 66(1), 116–122.
  • Stahl, W. et al. (2001). Dietary tomato paste protects against ultraviolet light-induced erythema in humans. Journal of Nutrition, 131(5), 1449–1451.

Die Studien zeigen eine verbesserte Lycopinaufnahme und untersuchten bestimmte biologische Effekte. Eine vorbeugende Wirkung von einem Teelöffel Tomatenmark täglich gegen Erkrankungen ist nicht nachgewiesen.

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